Die Jahre 1960 bis 1969:
"Die wilden sechziger Jahre"
Samstag, den 18.09.1999 um 18.30 Uhr
Der größte Teil der sechziger Jahre ist dadurch geprägt, dass sich in sozialer und kultureller Hinsicht die Einstellungen der fünfziger Jahre bis weit über die Mitte des Jahrzehnts hinaus verfestigten. Gegen Ende der Dekade verdichtete sich dieser Entwicklungsstau zu einem Unzufriedenheitsgefühl, besonders innerhalb der Jugend. Die bis dahin tabuisierten und verdrängten Themenbereiche, wie z.B. die Aufarbeitung der faschistischen Diktatur, die überkommene Sexualmoral und der Umgang mit Autoritäten so wie die Kritik an den kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen brachen sich in einer sozial-revolutionären Bewegung bahn. Der rückblickend als "68er-Bewegung" bezeichnete gesellschaftliche Umbruch wird in seiner historischen Dimension bis heute oft unterschätzt. Selbstverständlichkeiten des Alltagslebens der nachfolgenden Generation waren davor unvorstellbar: Die nichteheliche Lebensgemeinschaft, sexuelle Autonomie der Jugendlichen, die selbstverständliche Präsenz der sozialstaatlichen Sicherheitssysteme.
Auf der politischen Ebene sind Spätwirkungen, wie die Beendigung des kalten Krieges, die Emanzipation der Frau oder die Antidiskriminierungserfolge von denen die unterschiedlichsten Gruppierungen profitieren, bis heute spürbar. Die "68er-Bewegung" mit ihren zum Teil überzogenen Experimenten hat unsere Gesellschaft liberaler, gerechter und sozialer gemacht; demokratisches Gedankengut in breiten Bevölkerungsschichten verankert und neue gesellschaftliche Anregungen, wie die Pazifismus- oder die Ökologiebewegung, hervorgebracht.
Wir befinden uns im Jahre 1969 in einer studentischen Kommune auf dem Lande in der grundsätzlich sämtliche tradierten Werte in Frage gestellt werden. Experimentell versucht der Mensch neue Verhaltensnormen zu erarbeiten.
Beispiele: Es werden Fragestellungen im Plenum diskutiert wie:
(Wir freuen uns auf neue Diskussionsanregungen von Seiten der anwesenden Plenar-Seminaristen!)
Menuefolge:
Ist das Verspeisen von bourgoisem Fondue in diesen revolutionär befreiten Räumen zu vertreten oder: erst kommt das Fressen, dann die Moral.
Ein Urschrei für alle: Selbsterfahrung
Fondue mit Ho-Chi-Minh-Soße, Che-Guevara-Paste, Rudi-Dutschke-Dip und Uschi-Obermeier-Remoulade, falls das Plenum zustimmt.
Wir basteln uns RAF-Cocktails
Anschließend: Kuscheln mit Räucherstäbchen.
Kostümvorschlag:
Unisex: Bunte Gewänder, selbstgebatiktes- und gestricktes, Dritte-Welt-Fummel und Jesuslatschen.
Einige Bilder aus der "Kommune 2" auf dem Posch'n Hof im Jahr 1969
Der geistige Führer der Kommune freut sich schon auf die Gäste
"Haar ist dir
gegeben, laß es leben..."
Hier in der Kommune haben sich alle immer lieb.
Hier haben sich die
Frauen zum Gruppenbild arrangiert.
Aber auch viele Männer sind gekommen.
Nicht jeder der
Gäste ist unbedingt für den gewaltlosen Widerstand!
Diese Beiden suchen Erleuchtung in fernöstlicher Lehre.
Sie sind offensichtlich für Peace, Love & Happiness!
Der Guru hat schon eine begeisterte Anhängerin gefunden...
...aber wer zweimal mit dem Selben pennt, gehört schon zum Establishment!
Vor dem Essen wird noch über die Tagesordnungspunkte diskutiert.
Die Klotür muß weg! Man braucht sich seiner Exkremente nicht zu schämen!
Hier stehen die Werke von Marx und Mao Tse Tung zur Diskussion.
Drogenexperimente waren zur Bewußtseinserweiterung leider notwendig.
Sie ist noch skeptisch, sein Bewußtsein ist bereits gewaltig erweitert!
Endlich wird im Plenum beschlossen die Fonduetöpfe anzuheizen.
Burgoise Dekadenz hin oder her - Fondue ist lecker!
Aus der Stadt ist dieses behütet aufgewachsene Mädchen in die K2 gekommen.
Offensichtlich ist auch sie an fernöstlichen Einsichten interessiert.
Nach dem Essen wird bei Räucherstäbchen gekuschelt...
...was sich jedoch keinesfalls hemmend auf die Diskussion auswirkte.
Zur persönlichen Befreiung wurde noch ausgelassen getanzt.
Die beim Tanzen freigesetzten Schwingungen sind deutlich positiv!