Die Jahre 1980 bis 1989:
"Müsli, Birkenstock, Tschernobyl und
Wiedervereinigung!"
Samstag, den 6.11.1999 um 18.30 Uhr
In der Bundesrepublik: Nach über 10 Jahren des Rückzugs in das Privatleben macht sich innerhalb der 68-er Generation eine Veränderung der Strategie bemerkbar. Aus unzähligen Bürgerinitiativen, Selbsthilfegruppen und politischen Splittergruppierungen entwickelt sich eine neue Partei. Ende der 70-er werden "Die Grünen" gegründet. Nicht mehr die Kritik an den sozialen Schieflagen, sondern die Umweltproblematik rückt ins Zentrum des Interesses. Die in ihren Anfängen häufig totgesagte Bewegung ent-wickelt eine Dimension, die sie bis zum Ende des Jahrhunderts zu einem mitbestimmenden Faktor in allen Industrieländern der Erde werden läßt. Wieder einmal sind es die Deutschen, die , wie so oft in diesem Jahrhundert eine ideologische Neuentwicklung maßgebend prägen. Ein weiteres zentrales Thema ist die Friedensbewegung. Die Aufspaltung der Welt in Ost und West wird zunehmend als unerträglich und als bedrohliche Stagnation wahrgenommen. Mit dem NATO-Doppelbeschluss 1982 erreicht der Kalte Krieg einen neuen Höhepunkt. Der politische Widerstand dagegen ist nicht mehr zu übersehen. Wie als Bestätigung der Ängste vor nicht beherrschbaren Technologien und wachsender Umweltzerstörung ereignet sich im April 1986 der bisher schwerwiegendste atomare Unfall in Tschernobyl. Weite Teile der nördlichen Hemisphäre werden mit einem Vielfachen der natürlichen radioaktiven Strahlenbelastung verseucht. Vor diesem Hintergrund vollzieht sich auch vor allem bei der jüngeren Generation- ein grundlegender Wandel in der persönlichen Alltagseinstellungen. Schlagworte:
Trotz progressiver Grundüberzeugungen in der Bevölkerung gelingt der Transfer auf der politischen Ebene kaum. Die 80-er Jahre werden in vielen Ländern Westeuropas und den USA von einer konservativen, rückwärtsgewandten Politik bestimmt. Dies führt zur Stagnation. Die Impulse für eine Veränderung kommen uner-warteterweise und mit ungeheurer Dynamik zum Ende der Dekade aus dem Osten. |
In der DDR: Mit Jahrzehntelanger Verzögerung erreicht zum Ende der 70-er Jahre die DDR ihre wirtschaftliche Blüte. Man spricht vom "kleinen Wirtschafts-wunder a la Ost". Auf den abgeschotteten Märkten des Ostblocks sind die Industrieprodukte der technologisch weiterentwickelten DDR führend. Gleichzeitig wird schon zu diesem Zeitpunkt deutlich, daß das Gleichziehen mit dem Westen nicht erreicht werden kann. Noch wird das System von der Bevölkerung getragen. Die soziale Absicherung durch die Arbeitsplatzgarantie, der extrem billige staatlich finanzierte Wohnraum, die umfassend organisierte Kinder- und Jugendbetreuung ermöglichten den Bürgern ein von Existenznöten freies Leben. Nebenbei wird den Frauen somit eine gleichberechtigte Stellung im Berufs- und Gesellschaftsleben zuteil. Auf der anderen Seite entspricht die Versorgung mit Konsum- und Luxusgütern bei weitem nicht dem Niveau vergleichbarer Industrieländer. Im Zeitalter der grenzüberschreitenden Funkmedien wird dies zunehmend als frustrierendes Ärgernis empfunden. Auf der politischen Ebene stagniert die Entwicklung auf rückwärtsgewandten stalinistischen Standpunkten. Impulse kommen aus den sozialistischen Nachbarländern. Die Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc in Polen, die Politik der Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion stärken die, sich Mitte der 80-er, entwickelnden Bürgerrechtsbewegungen und kirchlichen Gruppen in der DDR. Der, schon lange gärende, aber öffentlich noch nicht in Erscheinung getretene, Unmut der Bevölkerung beginnt sich plötzlich, und für die Machthabenden überraschend 1989 Bahn zu brechen. Schlagworte:
Im Herbst 89 gehen die Menschen massenhaft auf die Straße. Tausende setzen sich über die Grenzen Ungarns in den Westen ab. |
Die Regierungen in Ost und West sind von diesen Entwicklungen überrascht und überfordert. Die Ereignisse überschlagen sich! Am 9.November 1989 äußert sich die DDR-Führung mißverständlich zur zentralen Frage der Reisefreiheit. In den chaotischen Umbruchswirren schaffen Zehntausende von DDR-Bürgern mit der Erstürmung der Grenzübergänge unrevidierbare Fakten. Die Mauer ist offen! |
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Die Sargauer Ökos erhalten unerwarteten Besuch aus dem Osten! Es kommt zum ersten deutsch-deutschen Gemeinschaftsessen seit Kriegsende auf Westdeutschem Boden!
Menuefolge:
Die Sargauer Müslis kauen gerade auf ihrem, biologisch dynamischen, Rohkostsalat und nippen am lauwarmen Kräutertee, als durch eine Öffnung in der Mauer (Tür) fröhlich und euphorisch die Ossis hereinbrechen. Im Gepäck haben sie Rotkäppchensekt , kalten Broiler und köstliches Letscho. Und zur Verdauung ein paar Plastikflaschen des hochprozentigen Goldbrand! Man raucht Karo und F4-Zigarretten oder dreht sich ganz Wessi einen Stick Schwarzer Krauser, Drum bzw. Samson. Zum Nachtisch verwöhnen die Westler ihre armen Ostfreunde mit Bananen, Lebkuchen und Bohnenkaffee.
Auf dem Weg zum Poschn- Hof haben die Ossis in München ihre 150 DM (!!!) Begrüßungsgeld kassiert und gleich bei Beate Uhse, Aldi und Saturn-Hansa gewinnbringend verbraten!
Auf dem Höhepunkt des Abends schaut man sich gemeinsam einen viertklassigen Videoporno an. Die Ossis sind beeindruckt und revanchieren sich mit einer Tanzeinlage zu Karat und Phudis.
Kostümvorschlag:
| Birkenstock goes
Müsli Birkis, Schlabberpulli, Baumwolltücher, graue oder selbstgestrickte Wollsocken, lila Latzhosen, Indien -und Nepal- Look |
Plaste und Elaste: weiße Plastikturnschuhe, Trainingsanzüge, Feinrippunterhemd, "VokuhilaOliba-Frisur", Schlafsäcke in Ostqualität und Kunstledertaschen für die Einkäufe! |
In der Wohngemeinschaft auf dem Land macht man sich große Sorgen
um die Umwelt.
Diese Damen
sprechen gerade sorgenvoll über das Waldsterben.
Sie lachen trotz "Startbahn West" und "WAA"!
Trotz des
geplanten AKW im nahen Marienberg sind sie guter Laune.
Die Stationierung der Pershing II in Europa scheint sie nicht zu
berühren...
...und auch diese
beiden läßt die ernste Umweltlage offensichtlich kalt.
Wenigstens ist für gesunde Ernährung gesorgt!
Auch diese
beiden blicken zuversichtlich in die Zukunft...
...sonst würden sie wohl kaum ein Kind in DIESE Welt setzen,
oder?
Sie sucht schon mal
nach Trans-Fair-Babynahrung aus Equador oder Guatemala.
Während der werdende Vater sorgenvoll auf steigende Arbeitslosenzahlen
blickt.
"Gleichgesinnt,
nicht gleichgeschaltet!", das ist ihr Motto!!!
Hannes Wader gibt sich die Ehre eines Gastspiels in Sargau...
...und sie freuen
sich schon auf den anschließenden Protestmarsch.
Plötzlich tauchen Anfang November 1989 diese Menschen in Sargau
auf!
Natürlich
begrüßen die Friedensbewegten die Neubürger/Innen aus dem Osten herzlich!
In den Wirren der Wende hat sich Chantal einen neuen Partner
gesucht.
Rico und Sandro
blicken in eine ungewisse Zukunft im Wilden Westen!
Gottseidank gibt es erstmal Begrüßungsgeld für Marlboro,
Videorecorder und Golf GTI!!!
Nicht alles was aus
dem Osten kommt ist schlecht...
Die Ökos laden zur leckeren Gemüsesuppe.
Der Rohkostsalat scheint
den Müslis selber nicht so recht zu schmecken.
Nur gut, daß die Ossis Broiler mitgebracht haben!
Jetzt ist es fast wie
zu Hause in Zwickau!
Mit ungewohnten Südfrüchten sind die Neufünfländer
noch nicht vertraut.
Wenn man sie
erst mal aufgekriegt hat, schmeckts richtig gut!
Darauf hat sie 30 Jahre lang
gewartet!
Von jetzt an geht es
für ihn bergauf!
Er weiß nicht, ob er die Maueröffnung echt gut findet...
West und Ost
brüderlich vereint - Bis daß der Solidaritätszuschlag sie scheide!